Rückblick von Claudia Haider auf die PSA Convention 2015 nahe London

15.10.2015 20:57 von Claudia Haider

Wertvolle Erfolgsstrategien und Tipps für Speaker von der PSA Mega Convention 2015, Reading, UK

Der Blick über den deutschsprachigen Tellerrand hinaus, andere Kultur, andere Ideen, anderes Netzwerk – das sind die Hauptvorteile eines Besuchs bei Conventions von Schwesternverbänden der German Speakers Association. Vom 9.-11.10.15 fand die Convention der Professional Speaker Association UK and Ireland in Reading westlich von London statt. Claudia Haider hat die wichtigsten Tipps, Strategien und Ideen für den deutschen Speaker-Markt zusammengefasst.

David Newman aus Philadelphia, USA stellte schon als erster Speaker am Freitag die richtigen Fragen, wenn es um die optimale Positionierung geht:

  • - Who do you serve?
  • - What problems do you solve?
  • - Where are you a rockstar?
  • - How much revenue do you want to make?
  • - How busy do you want to be?

Für ihn gibt es drei verschiedene Schwerpunkte eines Redners:

  • - den Lehrer, der Wissen vermitteln möchte
  • - den Performer, der auf der Bühne unterhalten möchte
  • - den Katalysator, der den Zuhörer bewegen möchte

Welche Mischung sind Sie bzw. möchten Sie sein?

Faith Wood aus Calgary, Canada, ergänzte Tipps, wie man die Zuhörer in seinen Bann ziehen kann. „Captivate from the Platform“ war ihr Thema. Unser Gehirn möchte überrascht werden, möchte begeistert werden. Wir möchten emotional berührt werden. Tut das Ihr Vortrag? Tut das Ihr Video?

Einen Begriff fand ich lustig: Are you a rod? Rod bedeutet eigentlich Angelrute, in diesem Fall „retired on duty“, also all die, die innerlich bereits ihren Job gekündigt haben oder nur eine geringe emotionale Bindung zum Arbeitgeber zeigen (laut Gallup-Studie in Deutschland ja 85% der arbeitenden Bevölkerung).

Joy Marsden aus England zeigte wieder einmal, dass Geschmäcker eben verschieden sind. Ihre Performance war super, ihr Storytelling lustig, aber als einzige Aussage konnte ich herausfiltern: Gib nicht auf. Das war mir als Deutsche zu wenig, der Rest war total begeistert. Aber wir haben ja auch einen Ruf zu verteidigen, dass wir keinen Humor haben…:-)

In England hat „Speaker Factor“ schon Tradition: Neulinge treten in 5-Minuten-Slots gegeneinander an. Der Beste jeder Regionalgruppe kommt ins Halbfinale, die fünf besten treten dann im Finale auf der großen Bühne auf. Der Gewinner hält auf der nächsten Convention eine Keynote auf der großen Bühne. Natürlich hat so jeder Speaker seinen Fanclub aus der jeweiligen Regionalgruppe dabei. Eine schöne Möglichkeit, neue Speaker vorzustellen.

Friday Night is Comedy Night. Hier zeigt sich, dass man noch so gut in der Fremdsprache sein kann, man versteht nur einen Bruchteil. Die Mischung aus verschiedenen englischen Dialekten bis hin zu Irisch und Schottisch gepaart mit Anspielungen auf lokale Persönlichkeiten, TV Shows oder Sport – für Ausländer einfach zuviel. Das zeigt aber auch wieder, wie schwer es ist und wie viel Vorbereitung es braucht, um seinen Humor einem anderen Land anzupassen.

Samstag Morgen 8 Uhr trafen sich beim Global Speaking Network alle, die Interesse an internationalen Auftritten haben. Das hochkarätige Panel bestand aus dem Präsidenten der Global Speakers Federation, Jonathan Low aus Malaysia, dem CSPGlobal und Presentation Expert Paul du Toit aus Südafrika, sowie die GSF Past President und Zeitmanagement-Expertin Robyn Pearce aus Neuseeland. Die Moderation übernahm CSPGlobal Alan Stevens, Medienexperte und Urgestein in der PSA. Wertvolle Beiträge kamen aber auch aus den Reihen der Teilnehmer, wie z.B. Roger Harrop, CSPGlobal, der in unzähligen Ländern dieser Welt schon gearbeitet hat.

Hier eine Zusammenfassung der Tipps:

  • - Fragen Sie sich zunächst: Ist Ihr Material gut genug, um auf dem internationalen Parkett zu bestehen?
  • - Überlegen Sie sich, was und wohin Sie wollen
  • - Nehmen Sie an Convention anderer Associations teil und nutzen das GSF Netzwerk
  • - Kontaktieren Sie die Speaker Bureaus, Trade Industries, Chamber of Commerce, Embassy des jeweiligen Landes
  • - Bieten Sie honorarfreie Showcases an, geben Sie dem Zielland eine Chance, Sie live on stage zu erleben
  • - Wenn Sie dort sind, planen Sie mehr Tage ein, um potentielle Kunden, Bureaus, Media etc. zu besuchen
  • - Für welche global agierenden Firmen haben Sie bereits gearbeitet? Können hier Empfehlungen in die Niederlassung im Zielland ausgesprochen werden?
  • - Besonders in Ländern wie Teheran, Iran, generell Mittlerer Osten etc.: welche Regeln gibt es? Was ist nogo? Möglichst die Powerpoint schon vorab dem Meetingplanner schicken und um Überprüfung bitten.
  • - Konsequent sein, dran bleiben
  • - Gute Apps: evernote, seatguru, flightstats, scancard

Weitere gute Ideen dieses Tages:

  • - Suchen Sie sich eine gemeinnützige Institution raus, die Sie aktiv unterstützen. Werden Sie ihre Stimme!
  • - Nutzen Sie mehr Videos, auch für facebook
  • - Bieten Sie immer Nutzen!
  • - Achten Sie bei der Vorbereitung eines Vortrags nicht nur auf den Inhalt, üben Sie vor dem Spiegel, mit Videokamera oder auch nur als Audio-Aufnahme.
  • - Bilder oder nur wenig Text auf die Slides
  • - PP immer wieder mit schwarzen Folien wegschalten, so dass die Aufmerksamkeit bei Ihnen liegt
  • - Pausen, Stimmhöhenwechsel, Gesten, Augenkontakt bis zur letzten Reihe – üben!
  • - Vertragserstellung: Wer tut was wann? Klären Sie unbedingt vorher ab, wann Sie da sein sollen, wer Ansprechpartner ist, wer die zahlende Stelle ist, wie Ihr Material verwendet werden darf… Wie sind Ihre Stornoregelungen? Was bei Verschiebung eines Termins? Sind Videoaufnahmen erlaubt, ggf. gegen Aufpreis?
  • - Wer sein Gedankengut schützen möchte: R oder tm.

Ein Gala-Abend voller Ehrungen rundete den Tag ab.

Am Sonntag wartete erneut eine Keynote nach der anderen auf uns – jede auf seine Art inspirierend. Lottie Hearn aus Irland gab sofort umsetzbare Tipps und Übungen für Video-Clips. Augenkontakt, Energie, ruhiger Hintergrund, gutes Licht waren die Basis-Tipps. „Chat rather than act“ heißt es auch hier: lieber unperfekt, herzlich und natürlich rüberkommen als perfekt geschauspielert. Wer einen Video-Blog („vlog“) machen möchte, achte auf relevanten Content und auf die heutige Konzentrationsspanne von nur 8 Sekunden. Alle 8 Sekunden hätte das Gehirn gerne was Neues!

Anthony Stears - der „telephone assassin“ von England - verglich Verkauf mit einem Pizza-Lieferservice. Zunächst findet man im Briefkasten die Menükarte mit einem Überblick der Leistungen. Bei Bedarf kann ich dann bestellen, wird gerne noch beraten, und ein netter Mitarbeiter bringt das gewünschte Essen. Was würden wir tun Wir wären alle überrascht und überrumpelt, wenn am Abend der Mitarbeiter des Pizza-Lieferservice plötzlich unangemeldet vor der Tür steht und fragt, ob er die Bestellung nun aufnehmen möchte. Geben Sie Ihren Kunden eine Vorlaufzeit, in der in Ruhe ausgewählt werden kann, seien Sie dann aber natürlich der beste Pizza-Service weit und breit!

Ein schöner Satz kam abschließend noch von Vinay Parmar:
Alles hat ein Verfallsdatum! Auch die Vortragsinhalte eines Referenten!

Mein Fazit:

Die PSA Convention 2015 war ein Feuerwerk an Ideen! Für jeden Speaker war etwas dabei!

Wer das nächste Mal bei einer der Speaker Conventions dabei sein möchte: auf www.globalspeakers.net finden Sie die Übersicht über die kommenden Termine weltweit.

Die nächste PSA Convention wird vom 7.-9.10.16 in Nottingham stattfinden.

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