Gastexperten-Artikel von Klaus Kobjoll, GSA HoF!

Gastexperten-Tipp 13 von 111: Klaus Kobjoll, GSA HoF - Der verrückte Hotelier aus Nürnberg!

von Siegfried Haider, 03.10.2010 (Kommentare: 0)

Klaus Kobjoll, GSA HoF
Klaus Kobjoll, GSA HoF

Total Quality Management ist nicht nur das Steckenpferd eines qualitätsbesessenen Unternehmers, Beschäftigungsprogramm für Mitarbeiter und saumäßig viel Arbeit. Nein. TQM führt zu einem klar erkennbarem Mehrwert im Unternehmen. Ich versichere Ihnen: Für meine Banken bedeutet TQM inzwischen eine höhere Sicherheit als eine Bilanz, die vielleicht zufällig gut war. Oder irgendeine materielle Sicherheit. Denn eine Bilanz spiegelt immer nur ein Bild von gestern wider; heute kann sie sich schon ganz anders darstellen. Auch eine materielle oder dingliche Sicherheit muss in unserer nicht immer ganz einfachen Zeit zwangsläufig Bestand haben. Aber konsequent praktiziertes TQM ist für eine Bank von großer Bedeutung, fließt es doch prioritär in die Bewertung mit ein. Und das sollte sich jeder Unternehmer immer dann in Erinnerung rufen, wenn ihm die Erledigung planerischer Hausaufgaben an Sonn- oder Feiertagen und in langen Nachtstunden gelegentlich fast zu viel wird.

Mark Twain sagte einmal: „Wer nicht weiß, wohin er will, der muss sich nicht wundern, wenn er ganz woanders ankommt.“ Er wusste bereits um die Wichtigkeit einer Vision und der kompromisslosen Arbeit an kurz-, mittel- und langfristigen Zielen. Im Umkehrschuss bedeutet das: Wer weiß, wohin er will, hat keinen Grund mehr, dort nicht anzukommen. Es kann zwar bei einem schwer erreichbaren Ziel schon einmal passieren, dass es Verzögerungen gibt, die Dinge nicht so glatt laufen wie geplant oder man auch einen Anlauf mehr benötigt. Doch die Hauptsache ist, Sie kommen an. Eine sichere Ankunft am Ziel aber basiert auf der Magie der strategischen Planung, die übrigens nur von rund drei Prozent der deutschen KMUs – der kleinen und mittelgroßen Unternehmen – überhaupt angewandt wird. Aber diese drei Prozent erzielen im statistischen Mittel nachgewiesenermaßen einen um rund 50 Prozent höheren Gewinn als die Kollegen der verbleibenden 97 Prozent. Und wir gehören mit unserem Schindlerhof dazu.

Die magische Kraft der strategischen Planung – Vision und Leitbild

Jede strategische Planung aber ist wertlos, wenn ihr keine strategische Vision vorausgeht. Denn kurzfristige Unternehmerdenke, die ausschließlich am Cash-flow des laufenden und kommenden Jahres ausgerichtet ist, kann es schlechterdings nicht sein. Eine Vision muss her. Und diese Vision wird im Leitbild eines Unternehmens festgelegt. Dazu gehört natürlich zwingend der Zweck des Unternehmens: Warum existiert die „Kiste“ überhaupt. Und dann geht es um erste grobe strategische Ausrichtungen. Sie setzen die Leitplanken, innerhalb derer sich ein Unternehmen bewegen soll. Schließlich geht es um langfristige Ziele, bei denen sich auch ein wenig Wunschdenken einschleichen darf. Weil es einfach mehr Freude macht, Ziele zu verfolgen als Ziele zu erreichen. Dabei bilden Werte und Verhaltensnormen auf dem Weg dahin ein Begriffspärchen, das nie getrennt zu sehen ist. Warum? Weil Wertvorstellungen oft reine Worthülsen sind. Erst praktische Verhaltensweisen erfüllen diese Versprechungen mit Leben gegenüber

  • Ihren Kunden,
  • Ihren Mitarbeitern,
  • Ihren Lieferanten und Geschäftspartnern und –freunden sowie
  • der Umwelt und der Natur.

Das alles erfordert zudem sehr harte und disziplinierte Arbeit am eigenen Ich – den ständigen Kampf gegen den eigenen Schweinehund.

Werte als Grundlage einer Sinnvision

Was der Schindlerhof in den vergangenen 20 Jahren an Preisen und Auszeichnungen erhalten hat, das haben in erster Linie unsere Mitstreiter auf dem Gewissen. Der Verdienst unserer Unternehmerfamilie ist lediglich, dass wir sie haben machen lassen. Denn wir stellen in unserem Unternehmen auf beiden Seiten des Geschäfts bedingungslos den Menschen in den Vordergrund. Und das nicht nur kundenseitig. Im Rahmen unseres prozessorientierten Total Quality Managements bieten wir unseren Mitarbeitern mit großer Überzeugung auf der Grundlage einer emotionalen Sinnvision drei für uns extrem bedeutsame Werte an:

1. Freude, Hedonismus und Leistungslust.
Im Schindlerhof passen wir unsere Arbeit dem Freizeitgedanken an, geprägt von einer Reihe gemeinsam entwickelter Verhaltensnormen, die den Umgang miteinander auszeichnen. Wir haben zwar eine Menge Arbeit miteinander, doch auch ebenso viel Spaß. Klassische Hierarchien wurden abgeschafft. Und wenn ich Fehler mache, bekomme ich genauso viel Zoff wie ein Azubi in der ersten Woche.  

2. Freiheit
Ich habe mir im Lateinunterricht nur einen Satz gemerkt: Lieber der erste Mann in Kleinbonum als der zweite Mann in Rom. Diese Philosophie geht mir über alles, und ich übertrage diese Freiheit jetzt in Form eines Wertes auf meine Mitarbeiter. In den Verhaltensnormen sieht das so aus: Höchste Entscheidungsspielräume, unbedingte Transparenz, gelebte Zielplanung und ihre Umsetzung im Interesse der jeweiligen Abteilung und des Unternehmens, so viel Individualität wie möglich, so wenig Konformität wie nötig. Oder die Freiheit, Fehler zu machen und aus ihnen zu lernen. Sowie eine freundschaftliche Verbundenheit, die ihresgleichen sucht.

3. Das Streben nach Harmonie
ist der dritte Wert in unserem Bunde. Alle drei müssen wir nur noch immer wieder unseren Mitarbeitern vermitteln und schon organisiert sich im Unternehmen alles von alleine. Ich gebe zu, das liest sich einfacher als es im Ergebnis ist. Doch wusste schon St. Exupéry, dass die Sehnsucht nach dem großen weiten Meer den Wunsch weckte, ein Schiff zu bauen. Übertragen auf ein Unternehmen – in diesem Fall auf unser Hotel – bedeutet das für uns: Die Lust nach einem der Freizeit sehr ähnlichem Arbeitsverständnis bei höchsten Entscheidungsspielräumen in einem Team zu wecken, das sich freundschaftlich verbunden ist und zu jeder Zeit an einem, unserem gemeinsamen Strang zieht.

Mit dieser Unternehmer-Philosophie, die Begeisterung weckt und diese nicht zuletzt auch im Sinne des Unternehmens auf die Kunden bzw. Gäste überträgt, sind wir im Mitarbeiter-Markt von Kiel bis Meran mental verankert. Denn stellt sich die Frage: Schindlerhof Nürnberg? Dann heißt es ganz schnell: „Das ist doch der Verrückte mit der verrückten Unternehmerdenke und seinem ebenso verrückten Führungsmodell – oder?“ Meine Antwort darauf: „Ja, das ist er, und er ist es gerne, denn etwas verrückt zu sein, macht das Leben als Mensch und Unternehmer leicht, fröhlich, bunt, vielschichtig, in hohem Maße innovativ sowie interessant – und vor allen Dingen: erfolgreich.“

Drei Tipps für eine harmonische Unternehmer-Karriere:

  1. Nehmen Sie sich nur im Ausnahmefall Arbeit mit nach Hause und sprechen Sie mit Ihrer Partnerin / Ihrem Partner so wenig wie möglich über Probleme in ihrem Unternehmen. Das dient dem Abstand, der Entspannung und einem freundlichen Familienleben.
  2. Halten Sie sich den größten Zeitdieb – das Telefon – weitgehend vom Leib. Es sei denn, Sie sind verliebt oder Notarzt.
  3. Vertrauen Sie Ihren sorgfältig ausgewählten Mitarbeitern von Herzen und mit Überzeugung. Sie spüren sofort, wenn dem nicht so sein sollte. Denn wir kommunizieren immer auch nonverbal und lesen eine Menge zwischen den Zeilen. Und schaffen Sie Kontrollen ab, die über prozessorientierte Checklisten hinaus gehen. Behalten Sie bei größtmöglichen Spielräumen jedoch immer die Rechenschaftspflicht bei.

Ihr

Klaus Kobjoll

http://www.kobjoll.de/

 

Klaus Kobjoll

Klaus Kobjoll, GSA HoF

Klaus Kobjoll ist einer der erfolgreichsten Privathoteliers Deutschlands und zudem ein bekannter Referent und Buchautor von inzwischen sechs Büchern. Er ist seit 25 Jahren Inhaber und Geschäftsführender Gesellschafter der Schindlerhof Klaus Kobjoll GmbH sowie seit 1990 der Glow & Tingle Unternehmensberatung GmbH, beide mit Sitz in Nürnberg. Das Hotel Schindlerhof hat in den letzten 20 Jahren immer wieder zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten, unter anderen „Hotelier des Jahres“ der Verlagsgruppe Deutscher Fachverlag (1990), Ludwig-Erhard-Preis der Deutschen Gesellschaft für Qualität (1998). Im gleichen Jahr wurde Klaus Kobjoll für sein Hotel als erstes und bisher einziges Privathotel der European Quality Award verliehen. Und 2009 wurde er von der German Speakers’ Association in die Hall of Fame der besten deutschen Referenten aufgenommen. Ebenfalls im Jahr 2009 gewann er mit seiner Glow & Tingle Unternehmensberatung den Ludwig-Erhard-Preis für Kleinstunternehmen. 

Klaus Kobjoll ist nicht nur ein Vollblutreferent, sondern zugleich auch ein Vollblutunternehmer, der mit seinem eigenen Hotel vorbildlich aufzeigt, was Unternehmertum bewirken kann. Mit Begeisterung und Energie vermittelt er jedem  Seminar-, Tagungs-  oder Kongressteilnehmer unternehmerische Impulse, Anregungen und Konzepte zur praktischen Umsetzung.

 

 

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