Du interessierst mich nicht! Lösungen zu One-Way-Gesprächen...
von Siegfried Haider, 03.08.2010 (Kommentare: 0)
Es ist nicht immer einfach: Sie sind auf einer Veranstaltung (eingeladen) und allein. Sie kennen (fast) keinen und suchen nun Anschluß an die Gesellschaft, die sich untereinander vielleicht sogar noch gut kennt. Nur Sie sind der Fremde.
Also suchen Sie nach Augenkontakt, einem Lächeln, nach Signalen der Bereitschaft, diesen Herumstehenden aufzunehmen, nach einem freien Platz an einem Tisch usw., um mit dem ersten Menschen ins Gespräch zu kommen. Sie lächeln auch sympathisch, ziehen die Augenbrauen interessiert leicht nach oben, nähern sich einer Gruppe, die sich angeregt unterhält und fragen: Ist hier noch frei? Höflich wird mit "Ja, gern" geantwortet, Sie setzen sich und die Gruppe, die sich ja kennt, redet weiter wie vorher. Sie sind erst mal Luft und hören aufmerksam zu, lachen mit (obwohl Sie gar nicht wissen, um was es genau geht), stoßen mit an und gehören irgendwie dazu aber eigentlich doch noch nicht.
Dann dieser eine günstige Moment: Sie ergreifen in einer Minisekunden-Sprechpause das Wort und werfen einen Beitrag ein. Dieser magische Augenblick, bei dem jeder am Tisch prüft: Was ist denn das für eine/r? Hier entscheidet sich, ob Sie akzeptiert werden oder ob Sie noch ein wenig warten/leiden dürfen.
Ja - Menschen können schon grausam sein. Wie im Einzelgespräch so auch in einer Gruppe, die man gerne für sich erobern möchte, ist (zu langes) Desinteresse an der eigenen Person manchmal nervenaufreibend. Warum reden manche Menschen gern über sich, werden gern gefragt, interessieren sich aber wenig bis nicht für den anderen? Ego, Selbstdarstellungssucht, schlechter Tag, Schutz, Vorsicht oder Angst - vermutlich gibt es noch viel mehr Gründe, warum die Gesprächsimpulse nicht selten vorwiegend aus einer Ecke kommen.
Ich hab gelernt, es nicht persönlich zu nehmen. Es ist in den seltensten Fällen fehlende Sympathie. Viele Menschen haben es nicht gelernt, Ping-Pong in der Kommunikation zu spielen. Oder wollen heute nicht. Sie wollen einen Ballwurf-Automaten gegenüber haben, der die Bälle so in die eigene Sphäre wirft, so daß das Zurückspielen so wenig wie möglich Aufwand bedeutet und Spaß macht.
Drei Tipps, wie aus der Einbahnstraße doch ein Ping-Pong wird, hab ich allerdings schon für Sie. Einfache Techniken, aber dafür sehr hilfreich:
- Die eigene Vorstellung:Ja - so banal das klingt. Aber um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, ist es nach wie vor sehr hilfreich, zu Beginn eines Gesprächs oder auch während einer Einbahnstraßen-Kommunikation zu fragen: "Darf ich mich kurz vorstellen?". Wenn der andere bisher kein Interesse an Ihnen gezeigt hat, kommt die Frage manchmal schwer über die Lippen, aber hier sollten Sie selbstbewußt sein. Und Sie sollten eine Vorstellung parat haben, die Ihren Gesprächspartner vom Hocker haut, interessiert und die Aufmerksamkeit für einige Zeit auf Sie und Ihre Tätigkeiten, Vorlieben usw. lenkt.
- Die Lieblings-Frage an sich selbst:Wünschen Sie sich eine Frage, die der/die andere Ihnen stellen soll. In diese Umfeld fragen Sie dann Ihr Gegenüber. Also wenn Sie gerne über Fußball reden, der andere aber nichts dazu fragt, dann fragen Sie ihn/sie doch: "Haben Sie einen Lieblings-Fußballverein in der Bundesliga?". Und schieben dann nach: "Mein Lieblingsverein ist ..., weil ...". Das können Sie in einem Gesprächsverlauf zu anderen Themen wiederholen, wenns wieder einseitig wird.
- Das Offensichtliche ansprechen: Wenn ein Gespräch lange Zeit in eine Richtung läuft, dann stellen Sie doch nicht die nächste Inhaltsfrage, sondern eine Richtungsfrage: "Ich weiß jetzt so viel Interessantes über Sie. Was interessiert Sie an mir?". Die Frage ist höflich, aber bewußt auch deutlich. Manchmal fällt es einem Gesprächspartner gar nicht auf, daß hier etwas einseitig verläuft. Und diese Frage löst eine Einseitigkeit meist auf.
Ja - ich hatte auch schon Gespräche, die trotz 1.-3. einseitig geblieben sind. Das waren nicht selten Promis (oder solche, die meinen, Promis zu sein). In solchen Fällen schätzen Sie sich einfach glücklich, so viel vom Gegenüber erfahren zu haben und bedauern ihn/sie, daß er/sie nichts über Sie weiß. Suchen Sie sich nach einer höflichen Verabschiedung bessere Gesprächspartner, die Anstand haben, Fragen stellen und Interesse zeigen.
Ihr
Siegfried Haider
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