Wer in der Öffentlichkeit steht, wer Experte ist, der ist Vorbild - ob er/sie will oder nicht!

Bundespräsident Christian Wulff: Die Lehre für Experten...

von Siegfried Haider, 21.12.2011 (Kommentare: 2)

Um es gleich voraus zu schicken: Man muß nicht jedes Gerücht ernst nehmen, schon gar nicht auf jedes Gerücht hin aktiv werden. Aber bei lauten, substanziellen Vorwürfen ist konsequentes Handeln erfolgsentscheidend, wenn nicht sogar überlebenswichtig.

Das Erstaunliche im "Fall" Christian Wulff ist die Art, wie mit den Vorwürfen umgegangen wird. Erstaunlich ist, daß Vorwürfe, die eventuell/angeblich haltlos sind, nicht durch sofort klar dargelegte Gegenargumente umgehend entkräftet werden. Warum erfolgen zögerliche Stellungnahmen, salamitaktisch veröffentlichte Teilinfos, durch Stellvertreter veröffentliche Gegendarstellungen usw.? Das fördert die Skepsis, die Fragezeichen. Es nährt den Verdacht, daß doch was dran sein kann.

Und selbst wenn da etwas dran wäre: Warum stellt sich jemand wie Christian Wulff nicht einfach hin und sagt, daß dieser Kredit mit seiner Konstellation grenzwertig, ungeschickt und falsch war? Daß die Nähe zu manchen Wirtschaftsbossen mißverständlich und verführerisch war, aber z.B. zu keinem Interessenkonflikt führte? Warum bittet er nicht um Entschuldigung, gesteht einen Fehler in einer Zeit vor seinem aktuellen Amt ein? Wenn schon etwas passiert ist: Wer ist in solchen Ämtern ohne Fehler? Ein Bundespräsident hat die gleichen, vielleicht sogar bessere medialen Zugänge wie alle anderen an dieser Diskussion Beteiligten und nutzt sie nicht.

Wie für den Bundespräsidenten ist Ansehen und Glaubwürdigkeit für jeden in der Öffentlichkeit stehenden Experten lebenswichtig. Vorwüfe von Dritten, ob das nun in Richtung Plagiatsvorwürfe, Storyklau, Markenverletzungen, übergebührliche Übertreibungen oder ähnliches geht, sind auch in unserer Branche nicht selten. Wie gesagt: Man muß nicht auf jeden erdichteten Klamauk und Einzelmeinungen Stellung nehmen. Wer aber laute, substanziell vorgetragene Gerüchte einfach laufen läßt, begibt sich in die Gefahr, daß etwas bleibt.

Gehen Sie hier konsequent vor, z.B. auch über Verbände wie die GSA und ihren Ethikrat. Recherchieren Sie genau, wer was in welchen Kanälen über Sie verbreitet. Und dann nutzen Sie genau diese Kanäle, um diese substanziellen Vorwürfe richtig zu stellen. Ja - das ist kein generelles Rezept, das für jeden und immer gilt, da es immer von der jeweiligen Situation abhängt. Aber eins steht fest: Das Wichtigste ist die eigene Marke und Reputation. Darauf lassen wir nichts kommen.

Ihr

Siegfried Haider

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Kommentar von Dr. Claus Riehle | 22.12.2011

Ich frage mich an der Stelle allerdings, ob ein Bundespräsident ein "Experte" ist - nach meiner Einschätzung ist er nämlich genau das nicht; die Funktion des Bundespräsidenten ist eine Metaperspektive, die deshalb auch überparteilich angelegt ist.
Und um diese Funktion auszufüllen, muss einer seinen Expertenstatus geradezu hinter sich lassen.
Nach diesem Strickmuster funktioniert auch wirkliche persönliche Weiterentwicklung: eingefahrene (auch erfolgreiche) Muster zu verlassen - neudeutsch: change ...
Zum "Expertendilemma" findet sich übrigens in diesem Buch ein aktueller Essay:
http://www.interformations.de/index.php?page=leseprobe-riehle

Kommentar von Siegfried Haider | 22.12.2011

Natürlich. Der Blogartikel war darauf ausgelegt, was Experten von dem Bundespräsidentenverhalten lernen kann. Und ich glaube, Christian Wulff hat gestern meinen Blog-Artikel gelesen - denn er hat heute endlich aktiv reagiert :-)

Danke für Ihren Kommentar

Siegfried Haider

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